Andere Länder – andere Sitten

Man sagt unseren belgischen Nachbarn ja eine Schwäche für gutes Essen und Trinken nach. Es muss wohl etwas dran sein, auf jeden Fall hat sie sich auf die Mittagspausen-Verköstigung und die Siegerehrung bei der 27. RAMCE-Oldtimerausfahrt Eupen niedergeschlagen. Während wir unser – jawoll belgisches – „Siegertreppchenbier“ genießen, lassen wir die Eindrücke des Tages noch einmal Revue passieren:

Als „Fast-Sieger“ schreiben sich lobende Worte natürlich recht einfach. Unabhängig von unserer Platzierung ist aber festzuhalten, dass das Team um Marc Kistemann und Ralph Emonts-Gast eine der schönsten Streckenführungen zusammengestellt hat, die wir je gefahren sind. Auch ohne Rallye sind das Essen im Biermuseum Rodt-Tomberg und die Landschaft darum herum unbedingt empfehlenswert.

Eine vorherige Anmeldung ist nicht nötig, die Einschreibung ist einfach morgens im Café an der Wesertalsperre. Wir erwischen Startnummer 13 – kann das gut gehen? Was auf jedenfall nicht geht, ist die Startnummer wie verlangt an der Beifahrerseite auf die Frontscheibe zu kleben. Klebt zwar, nur sieht die Beifahrerin dann überhaupt nichts mehr.

RAMCE Ausfahrt 2016 Startnummer

Das Roadbook ist etwas ungewöhnlich von unten nach oben zu lesen. Das liegt daran, dass es neben den Oldtimern auch eine Motorradausfahrt gibt, was eher selten ist,  und die Motrorradfahrer ihr Roadbook auf einer speziellen Halterung am Lenker abrollen.

Als OKs sind bis zur Mittagspause „Vorfahrt achten“-Schilder und Ortsausgangsschilder zu notieren. Dazu noch die bekannten Kuh-Schilder, die sonst wohl jeder vermissen würde, der jemals in Eupen gestartet ist. Außerdem gibt es drei Geschicklichkeitsprüfungen. Am Nachmittag gibt es keine Aufgaben mehr, es ist nur noch entspanntes Fahren angesagt.

Eine feste Startreihenfolge gibt es nicht, jedes Team geht auf die Strecke, wenn es bereit ist. An die Ortsausgangsschilder gewöhnen wir uns schnell, einige sind zwar mehr oder weniger von Sträuchern versteckt, aber doch gut zu finden. Bei den „Vorfahrt achten“-Schilder ist etwas mehr Konzentration gefragt. Es dürfen nämlich nur die eigentlichen Schilder, nicht aber die Vorankündigungen aufgeschrieben werden. Kühe sehen wir jede Menge – leider auf den Wiesen, nicht auf Verkehrsschildern. Bis kurz vor der Mittagspause taucht kein Kuh-Schild auf, erst 200 m vor Abgabe der Bordkarte sehen wir eins: Marcs extra aufgestellte „Privatkuh“.

Das Mittagessen ist super: Schnitzel auf den Punkt gebraten, Fritten kross und der Teller angewärmt. Der Service ist allerdings trotz vorher gemeldeter Teilnehmerzahl vom Ansturm der Oldtimerfahrer überfordert, es dauert (mal wieder), dafür schmeckt es dann umso besser.

Reichlich Zeit also für Gespräche: „Die Stecke war wirklich superschön!“ (stimmt!), „an ein paar Stellen war die Kilometrierung aber schwer daneben“ (stimmt auch) und „sonst fahren wir ja tourensportlich, das ist viel anspruchsvoller“. Einspruch, Euer Ehren! Wie kommt es dann, dass Tourensportler bei touristischen Ausfahrten nicht locker gewinnen sondern, sagen wir mal, das Klassement häufig mehr von hinten betrachten:-) Wenn touristisch doch so einfach ist? Ihr mögt keine Geschicklichkeitsprüfungen, wir nicht die ganze Zeit mit der Nase über der Karte kleben. Wir finden, es sind unterschiedliche Aufgabenstellungen, die man so nicht vergleichen kann. Ist doch schön, dass jede(r) auswählen kann, was er/sie am liebsten mag.

Am Nachmittag auf wiederum traumhafter Strecke zeigen sich die Oldtimerkollegen außerordentlich hilfsbereit. Kaum sind wir rechts rangefahren, fragen schon die ersten Teams, ob wir Hilfe brauchen. Wir haben aber nur den Tank trocken gefahren, weil nach der Mittagspause keine Tankstelle mehr auftaucht, jetzt muss der Reservekanister ran. Dank Clubkamerad „Kirsche“, der uns später zusätzlich noch mit seinem 5-Liter-Kanister aushilft, schaffen wir es auch noch zur Siegerehrung.

Die findet statt, kurz nachdem wir – wie meistens unter den Letzten – am Ziel eingetroffen sind. Das Kuchenbuffet ist trotzdem noch reichlich gefüllt und der Kuchen lecker. Pokale gibt es keine, stattdessen bekommen die ersten Zehn belgische Pralinen und je eine Magnumflasche belgisches Bier.

 RAMCE Ausfahrt 2016 Siegerpreise

Wir haben die niedrigste Strafpunktzahl – und werden trotzdem „nur“ Zweite. Eva-Maria und Bernhard Stein haben auf das Hundertstel das gleiche Ergebnis, weil ihr Auto aber drei Jahre älter ist, gebührt ihnen der Sieg. Für den „gemeinsamen“ Sieg gibt es dann für beide Teams noch eine Flache Wein obendrauf.

Unser Fazit

Eine rundum gelungene Veranstaltung unserer belgischen Rallyefreunde, die in mancher Hinsicht anders und ungezwungener ist als andere Ausfahrten. Und sogar der Wettergott hat mitgespielt und sich nicht um die schauderhaften Vorhersagen gekümmert.

Claudia und Thomas Oberle

Zum Seitenanfang