Nach dem 2. Platz 2015 und dem 1. Platz 2016 in der Junior-Klasse sind wir in diesem Jahr in die Masterklasse aufgestiegen – entsprechend dem ungeschriebenen Gesetz, dass der Klassensieger eine Klasse höher steigt.

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Dazu muss das System der Limburgia erklärt werden. Junior, Master und Marathon erhalten jeweils das gleiche Roadbook (Start und Ziel einige Chinesenzeichen, der Rest nur Karten A 4, 1:100 000). Der Unterschied besteht in der Anzahl der eingetragenen Punkte und Pfeile, wobei jeweils nur 5 bis 10 Punkte, Pfeile oder Barrikaden je Seite eingetragen sind und somit die verbindenden Strecken sehr lang sein können. Master und darüber hinaus Marathon müssen jeweils 1 bis 2 zusätzliche Punkte, Pfeile bzw. Barrikaden anfahren. Dies ergibt eine jeweils längere Strecke bzw. einen höheren Schnitt (max. ca. 50 km/h) bei identischen Etappenzeiten.

Neben den in unserem Raum bekannten Aufgaben Punkte, Pfeile – kürzeste Strecke, werden bei der Limburgia weitere Systeme zur Ausarbeitung der Idealstrecke vorgegeben. Barrikaden (gesperrte Strecke auf einem längeren Pfeil) sind so knapp wie möglich zu umfahren. Grenzannäherung, die gefahrene Strecke muss so nah wie möglich an der Grenzlinie liegen bzw. die hieraus resultierende Fläche muss so klein wie möglich sein. Streckenbeschreibung nach Karte oder bestimmte Punkte in der Karte (Höhenpunkte, Ortsnamen bzw. Buchstaben) sind zu durchfahren. Neu in diesem Jahr war die Auflage, dass bei einigen Karten nur Strecken mit zwei bzw. mindestens einer dickeren Linie befahren werden durften. Hier war eine gute Lupe gefragt. Dies und einige mit „X“ gesperrte Strecken erschwerten die Ausarbeitung der Idealstrecke. Zusätzlich standen fünf GLPs (Schnitt 50 km/h) mit Selbststart auf dem Programm, wobei die GLP-Strecke immer länger wurde - bei GLP 5 waren es schon ca. 16,5 km. Diese war wiederum nur nach Karte und entsprechender Aufgabenstellung (bzw. gefordertem System) zu fahren und führte leider auch durch kleine Ortschaften.

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Nach einer kleinen Einführung zu den verschiedenen Aufgaben am Freitagabend ging es am Samstag gegen 8:30 Uhr in Kerkrade an den Start. Über die Autobahn bis Brand und anschließend bis Lammersdorf zur ersten ZK. Diese Zeit konnte ich schon sehr gut zur Ausarbeitung der ersten Karten nutzen, denn Zwischenstopps zur ruhigen Ausarbeitung der Karten sind aufgrund der engen Etappenzeiten nicht möglich. Mit Punkten, freier Strecke und Streckenbeschreibung ging es dann bis Schleiden bzw. Blankenheim, wo die ersten GLPs gestartet wurde. Natürlich - wie bei der Limburgia üblich - mit Selbststart. D.h. nach der ZK 3 hatten wir 25 Min. bzw. 45 Min Zeit die Kartenaufgaben zu lösen und rechtzeitig am Start zu sein. Mit 2 bis 3 Min. Vorzeit konnten wir uns auf den jeweiligen Start vorbereiten, wobei GLP 2 etwas knifflig war, da hier ein Kartenübergang vorlag und die Kartengrundlagen nicht identisch waren. Zudem wechselte die Aufgabenstellung von Punkten zur Grenzannäherung mit der beschriebenen begrenzten Streckenauswahl. Ich und auch andere Beifahrer hatten irgendwann das Gefühl, doch die falsche Strecke gewählt zu haben. Doch dann nach über 8 Min. tauchte ein ORGA-Fahrzeug am Streckenrand auf, bei dem uns die Zeit in die Bordkarte eingetragen wurde.

Nach einer Mittagspause in Prüm ging es weiter in Richtung Bitburg, Konz und Luxembourg. Das zweite Roadbook mit der ersten Kartenaufgabe (9 Barrikaden und eine GLP) war eine Herausforderung, die wir - wie die Strafpunkte am Abend zeigten - offensichtlich nicht alle richtig gelöst hatten. Die weiteren Kartenaufgaben waren überschaubar. Aber aufgrund der Streckenlänge musste Rainer deutlich Tempo machen, da uns nach 80 bzw. 110 Min. die letzten GLPs erwarteten. GLP 5 war hinsichtlich der Streckenfindung und Länge wie beschrieben eine echte Herausforderung. Wer hier nicht die richtige Strecke bzw. das Ziel nicht gefunden hatte, konnte jedoch die Maximalpunktzahl noch über das Streichergebnis eliminieren.

Ich hatte auch zwischenzeitlich ein ungutes Gefühl, da wir durch Igel fahren und anschließend vor Wasserbillig einen kleinen Abzweig finden mussten. Dank Rainer, der alles aus seinem Triumph herausholen musste, lagen wir am Ziel der GLP 5 nur 3 Sekunden neben der Sollzeit. Insgesamt konnten wir trotz kleiner Probleme mit dem Trip-Controller mit den Ergebnissen der GLPs sehr zufrieden sein. Die Streckenauswahl war hervorragend, kleine schmale Straßen und vor allem bei den GLPs eine Herausforderung für den Fahrer. Aber Rainer hat dies meisterlich und sicher gelöst.

Wie bei der Limburgia üblich geht das Ende der ersten Etappe in die Dunkelheit über. Bei den letzten 20 km mit Kopflampe und Scheinwerferlicht haben wir eine Begradigung der Strecke - die Karten sind nicht immer aktuell - und somit auch einen stummen Wächter auf einem Parkplatz übersehen. Nach über 10 Stunden waren wir dann froh im Hotel angekommen zu sein. Ein Vergleich mit den Idealbordkarten zeigte, dass wir am Vormittag keine Fehler gemacht hatten, nachmittags uns jedoch sieben Eintragungen in der Bordkarte fehlten. Die zügige Auswertung zeigte dann jedoch, dass die Nachmittagsetappe doch sehr anspruchsvoll war und auch die anderen Teilnehmer Probleme hatten. Mit B. Stein/M. Kistemann auf 1.Platz, P. Widdra/B. Dahmen auf 3. Platz, M. Jakobs/ B. Wolf auf 4. Platz und uns auf dem 5. Platz lagen die Teams der Euregio in der Masterklasse vorne.

Wie in den letzten zwei Jahren wird die Limburgia erst am zweiten Tag entschieden. Insbesondere die engen Etappenzeiten führen dann regelmäßig zu zusätzlichen Zeitstrafen. Nach einem trockenen und teilweise sonnigen Samstag ging es sonntags im Regen los. Und wie erwartet hagelte es morgens bei der ZK 9 Zeitstrafen. Wir sind mit 50 Punkten (= 5 Min.) u.a. aufgrund eines Rechenfehlers noch sehr gut davon gekommen. Über Echternach, Bleialf, Hellenthal, Eupen ging es mit den bekannten Aufgabenstellungen zurück nach Maastricht. Glücklicherweise standen am Sonntag keine GLPs mehr auf dem Programm, denn die Nebenstraßen waren z.T. noch nass und mit Laub bedeckt.

Mit Ruhe und auch etwas Glück fanden wir am Sonntag die richtigen Strecken. Gerade am Schluss baut der Veranstalter gerne noch die eine oder andere Überraschung ein. Mit dem Gefühl, den 5.Platz halten zu können, fuhren wir nach ca. 820 km an zwei Tagen ins Ziel. Als die Ergebnisliste ausgehangen wurde, waren wir dann doch sehr überrascht. Mit nur zwei Bordkartenfehlern (100 Pkt.) - lediglich die Sieger der Masterklasse (B. Stein/M. Kistemann) hatten null Punkte -, absolvierten wir den zweiten Tag nahezu fehlerlos. Mit dem guten Tagesergebnis (2. Platz) konnten wir nicht nur den Platz halten, sondern auch noch auf den 3.Platz vorrücken.

Fazit

Die Limburgia ist eine sehr gut organisierte Veranstaltung mit vielfältigen Aufgabenstellungen. Die Kartenaufgaben und insbesondere der hohe Schnitt sind eine Herausforderung für Fahrer und Beifahrer - für sportlich orientierte Teams mit Orie-Erfahrung geradezu eine ideale Veranstaltung. Daneben ist die tolle Streckenwahl (Südeifel, Ardennen, Luxembourg) hervorzuheben, die leider bei den Tagesveranstaltungen von Aachen aus nicht erreichbar sind. Leider waren in den drei Klassen nur 38 Teams am Start. Es wäre schade, wenn diese Veranstaltung aufgrund der geringen Nachfrage im nächsten Jahr nicht mehr angeboten würde.

Bernhard Lutterbeck

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